Adipositas - Ursachen und Hintergründe

BMI-Verteilung der Deutschen
Quelle: Microzensus 2009
Statistisches Bundesamt
Die weltweite Verbreitung der Adipositas nimmt erschreckende Ausmaße an. In vielen europäischen Ländern beobachtet man einen deutlichen Anstieg an übergewichtigen Menschen. Übergewicht ist nicht nur kein kosmetisches Problem, sondern auch mit einem hohen Krankheitsrisiko verbunden. Allein in den USA sterben etwa 300.000 Menschen an den Begleiterkrankungen der Adipositas.
Auch in Deutschland hat die Bedeutung der Adipositas in den letzten Jahren stark zugenommen. Mittlerweile ist über die Hälfte der Deutschen übergewichtig und jeder 7. Deutsche ist adipös mit einem BMI über 30. Damit kann man in Deutschland von epidemischen Ausmaßen sprechen.
Betrachtet man die Analyse der Adipositas getrennt nach Frauen und Männern (in der Bundesrepublik Deutschland), so fällt folgendes auf: Deutlich mehr jüngere Männer als Frauen sind adipös, während ein BMI von mehr als 30 kg/m² vor allem bei älteren Frauen vorkommt. Fast 70% aller 30 bis 50jährigen Männer weisen eine leichte bis ausgeprägte Fettleibigkeit auf, deren Spätfolgen sich dann im Alter manifestieren.
Eineiige Zwillinge
zeigten in einer Studie,
auch wenn sie getrennt aufwuchsen,
erstaunliche Übereinstimmung im Gewicht.
Lange Zeit ging man davon aus, daß die Gründe für Übergewicht ausschließlich am vielen Essen und an zu wenig Bewegung liegen. Wer kennt nicht die Aussage "Meine Mutter sah auch schon so aus, das ist wohl Vererbungssache". Neue Erkenntnisse rechtfertigen durchaus, daß das Übergewicht nicht nur von den äußeren Lebensbedingungen abhängt.
Durch Zwillingsstudien auf dem Gebiet der Adipositasforschung weiß man, daß das Gewicht durch eine erbliche Komponente beeinflusst wird. Weitere Experimente bestätigen die Vermutung, daß es "schlechte" und "gute Futterverwerter" gibt: Manche Menschen essen große Mengen, nehmen aber nicht an Gewicht zu - das sind die schlechten Futterverwerter - andere essen sogar weniger, legen aber einen Teil in Fettdepots an - das sind die guten Futterverwerter.
Wäre unsere Energie nicht in
Form von Fett,
sondern
von
Kohlenhydraten gespeichert
hätten wir das Ausmaß
von
Elefanten.
Die Natur hat es so eingerichtet - der Mensch entwickelt in guten Zeiten einen Fettspeicher, um auf schlechte Zeiten vorbereitet zu sein. Jede Kalorie, die nicht für den momentanen Energiebedarf gebraucht wird, kann in Form von Fettzellen gespeichert werden. Fett ist als Speicherform besonders geeignet, da es im Körper in einem Gramm eine Energiemenge von 7 kcal unterbringt. Diese Energiereserven sind bei Bedarf abrufbar. Wer von den wenigen Kohlenhydratbeständen, die in Leber und Blut gespeichert werden oder von dem körpereigenen Eiweiß überleben will, hat schlechte Karten. Unter diesem Gesichtspunkt entpuppt sich das heutige Figurproblem als Überlebensprogramm, das die Natur sinnvoll geplant hat.
Das momentane Lebensmittelangebot in Deutschland paßt eigentlich nicht zu unserem biologischen Programm. Es kehrt den Überlebenseffekt der Fettdepots in eine gesundheitliche Beeinträchtigung um. So gesehen trifft den Übergewichtigen keine Schuld, denn er hat sich weder sein Übergewicht bewußt angegessen, noch hat er sich wesentlich anders verhalten als Menschen, die bei gleicher Nahrungsenergie schlank bleiben. Die biologische Ausstattung kann so als Benachteiligung angesehen werden.

Der Energieverbrauch in Prozent
Der Energieverbrauch eines Menschen läßt sich aufteilen in drei Komponenten: Grundumsatz, nahrungsbedingte Wärmefreisetzung (Thermogenese) und körperliche Aktivität. Die meiste Energie verbraucht der Grundumsatz des Körpers. Der Grundumsatz ist die Menge an Energie, die jeder zur Aufrechterhaltung sämtlicher Körper-funktionen (wie z.B. Atmung und Herzschlag) braucht. Die Höhe des Grundumsatzes ist zum Teil genetisch bestimmt.
Großen Einfluß hierauf nimmt die Muskelmasse, da sie den entscheidenden Kalorienverbraucher in unserem Körper darstellt. Das bedeutet, über eine Vermehrung der Muskelmasse kann der Grundumsatz gesteigert werden. Bei einem Muskelabbau sinkt dagegen der Grundumsatz. Bewegung und Training vermehren die Muskelmasse, damit wird der Grundumsatz erhöht. Das macht sich Tag für Tag 24 Stunden - auch im Schlaf - am Energieverbrauch bemerkbar. Darüber hinaus verbraucht der Körper bei erhöhter Aktivität noch einmal mehr Energie. Dieser Mechanismus kommt heute häufig zu kurz. Die meisten Menschen haben eine sitzende Tätigkeit, und auch in der Freizeit wird dieser Bewegungsmangel oft nicht genügend ausgeglichen.
Die Energiezufuhr
Die heutige Ernährung unterscheidet sich erheblich von dem, was unsere Vorfahren aßen. Der damalige Speiseplan wäre uns heute zu eintönig und ungewohnt. Obwohl sich unser Körper gerade an diese Lebensmittel besonders gut angepaßt hat und wir mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt würden.
Statt dessen locken uns tagtäglich Lebensmittel, die das biologische Programm überfordern. Es besteht zudem die Möglichkeit, zu jeder Zeit und an jeder Ecke etwas essen zu können. Dies alles führt dazu, daß zuviel und vor allem das Falsche gegessen wird. Das Falsche - das sind nicht die verschiedenen Brotsorten, die Gummibärchen oder das Glas Wein. Der entscheidende Unterschied zu früher ist der erhöhte Fettanteil in unserer Nahrung. Heute werden die Kohlenhydrate gegen Fett ausgetauscht, das ist ernährungsphysiologisch gesehen ein schlechter Tausch.

Klassische Diäten:
1000 Kalorien-Diät,
FdH und ähnliches verändern
nicht das Eßverhalten, Die Folge - nach einer
Gewichtsabnahme folgt meist eine unkontrollierte
Gewichtszunahme
Die klassischen Diäten basieren auf dem Prinzip der Energiebilanz, d.h. sie verknappen die Kalorien. Damit wird aber auch die Menge an Vitaminen und Mineralstoffen reduziert. Das Sättigungsgefühl bleibt aufgrund der verringerten Kohlenhydratzufuhr aus. Genau hier liegt das Problem, denn auf Dauer ist das nicht durchzu-halten! Von Genuss und Befriedigung kann auch keine Rede sein, da diese Diäten oft eintönig sind. In Folge wird dann häufig zuviel gegessen.
Essen wird so zu etwas, gegen das man ständig ankämpfen muss. Die Gedanken Diäthaltender kreisen dann nur noch um die nächste Mahlzeit. Irgendwann brechen die guten Vorsätze unter der großen Anspannung und der mangelnden Befriedigung zusammen. Es kommt zu einem Eßanfall, bei dem dann "alles egal" ist. Hinterher fühlt man sich als Versager.
Das Problem ist, daß die Kontrolle über das eigene Essverhalten an einen Diätplan abgegeben wird. Man lernt nicht, selbst zu entscheiden, wann man ißt und was man ißt.
Trotzdem muß man vor seinem Übergewicht nicht kapitulieren. Es gibt moderne Methoden des Gewichtsmanagements, die langsames und langfristiges Abnehmen versprechen.

Die Wirkung von Blitzdiäten
Nach einer raschen Gewichtsabnahme erfolgt
eine rasche Gewichtszunahme über das
Ausgangsgewicht hinaus..
Die sogenannten Blitzdiäten sind darauf angelegt,
daß Gewicht in sehr kurzer Zeit verloren geht. Ist das
Wunschgewicht erreicht, essen die meisten Men-schen in der
Folgezeit wieder normal, d.h. so wie vor der Diät. Dieser Wechsel bewirkt folgendes: In den ersten Tagen
ist eine relativ schnelle Gewichtsabnahme zu verzeichnen.
Hierbei wird aber nur Körperwasser ausgeschwemmt.
Beim weiteren Fasten baut der Körper zur Deckung
des Energiebedarfs körper-eigenes Eiweiß, also
Muskeln ab. Der Muskelabbau hat aber ein Absinken des
Energiebedarfs zur Folge, da nun weniger Muskeln Energie
verbrennen.
Der Grundumsatz sinkt, der Körper braucht zum Funktionieren weniger Energie als vorher. Die Fettreserven sind bis jetzt noch nicht angegriffen worden. Sie werden so lange wie möglich - so hat es die Natur eingerichtet - für längere Notzeiten gespeichert.
Nach einer Blitzdiät hat sich der Körper also wegen des Muskelabbaus auf einen geringeren Grundumsatz eingestellt. Wenn jetzt (nach der Diät) wieder das angestammte Eßverhalten angenommen wird, passiert folgendes: Überschüssige Kalorien werden vermehrt als Fett eingelagert, weil der Körper nun weniger verbraucht. Die daraus resultierende Gewichtszunahme kann über dem Wert des Ausgangsgewichts liegen. Der alte Grundumsatz stellt sich nur langsam wieder ein. Dieses Prinzip nennt man Jo-Jo-Effekt.